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Nuklearkatastrophe von Tschernobyl

26. April 1986

Das Ereignis im Detail

Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl (russisch Чернобыль, ukrainisch Чорнобиль Tschornobyl) war der bisher folgenschwerste Unfall in der Geschichte der friedlichen Nutzung der Kernenergie und der erste, der auf der siebenstufigen internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse in die höchste Kategorie katastrophaler Unfall (INES 7) eingeordnet wurde. Im Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl nahe der ukrainischen Stadt Prypjat explodierte am 26. April 1986 um 01:23 Uhr Ortszeit (25. April, 23:23 Uhr MESZ) der Kernreaktor, so dass große Mengen an Radioaktivität in die Erdatmosphäre freigesetzt wurden. Vor allem Gebiete nordöstlich von Tschernobyl – in der Ukraine, in Weißrussland und Russland – wurden kontaminiert. Durch die Windverfrachtung von Radionukliden waren auch andere Länder Ost-, Mittel- und Nordeuropas von radioaktivem Niederschlag betroffen.

Ausgelöst wurde die Havarie während eines planmäßigen Sicherheitstests in Block 4, mit dem überprüft werden sollte, ob dem Reaktor auch bei einem Stromausfall noch genügend eigene Energie für seine Notkühlung zur Verfügung stünde. Aufgrund von Konstruktionsmängeln, über die das Bedienungspersonal nicht informiert worden war, und durch dessen Verstöße gegen die Sicherheitsvorschriften stieg die Leistung des Reaktors dabei unkontrollierbar an. Beim Versuch, ihn manuell abzuschalten, wurde wegen der Besonderheiten des RBMK-Reaktors die in den Brennelementen enthaltene Energie extrem schnell freigesetzt. Das führte zur Kernschmelze, zur Explosion und zur vollständigen Zerstörung der Reaktorhalle.

Die Zahl der Todesfälle durch die Tschernobyl-Katastrophe ist umstritten: Zum einen ist es methodisch schwierig, festzustellen, ob einzelne Krebsfälle eindeutig auf die Strahlenbelastung nach dem Unfall zurückzuführen sind. Zum anderen behinderte die auf Geheimhaltung bedachte Informationspolitik der Sowjetunion die Aufklärung der Havariefolgen. Laut offiziellen Angaben starben 31 Kraftwerksmitarbeiter und Feuerwehrleute unmittelbar infolge der Explosion und der Brandbekämpfung. Das Tschernobyl-Forum der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) schätzte im Jahr 2005 die langfristige Gesamtzahl der Todesopfer auf etwa 4.000, darunter besonders viele Liquidatoren, die die Aufräumarbeiten übernahmen, sowie Bewohner von Prypjat und weiterer stark kontaminierter Gebiete. Andere Schätzungen gehen von mehreren Zehntausend Toten aus.

Noch im Jahr des Unfalls wurde über dem zerstörten Reaktor ein vorübergehender Schutzmantel aus Beton und Stahl errichtet, der „Sarkophag“. Darüber wurde von 2010 bis 2019 eine neue Schutzhülle gebaut, das „New Safe Confinement“, dessen Haltbarkeit und Schutzwirkung auf ca. 100 Jahre ausgelegt war. Infolge des russischen Überfalls auf die Ukraine wurde die Hülle jedoch 2025 durch einen Drohnenangriff schwer beschädigt. Nach 1986 wurde in einem Radius von 30 Kilometern um das Kernkraftwerk eine Sperrzone eingerichtet.

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